Ziegel


Ziegel
Zie|gel ['ts̮i:gl̩], der; -s, -:
a) [roter bis bräunlicher] Stein aus gebranntem Ton, Lehm zum Bauen:
Ziegel brennen; ein Haus, eine Mauer aus roten Ziegeln.
Syn.: Backstein, Klinker.
Zus.: Lehmziegel, Tonziegel.
b) Stein aus gebranntem Ton, Lehm zum Dachdecken:
ein Dach mit Ziegeln decken.
Syn.: Dachpfanne, Dachziegel.
Zus.: Dachziegel, Firstziegel, Flachziegel.

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Zie|gel 〈m. 5
1. gebrannter Stein aus Lehm, Ton u. Ä. zum Bauen; Sy Backstein, Ziegelstein
2. flacher, leicht gewölbter, gebrannter Stein aus Ton zum Decken von Dächern (Dach\Ziegel)
● \Ziegel brennen; ein Dach mit \Ziegeln decken [<ahd. ziagal(a) <lat. tegula „Dachziegel“; zu tegere „bedecken“]

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Zie|gel , der; -s, -, auch: die; -, -n [mhd. ziegel, ahd. ziegal < lat. tegula, zu: tegere = (be)decken]:
a) [roter bis bräunlicher] Baustein (1) aus gebranntem Ton, Lehm:
Z. brennen;
b) roter bis bräunlicher, flacher, mehr od. weniger stark gewellter Stein zum Dachdecken aus gebranntem Ton, Lehm; Dachziegel:
ein Dach mit -n decken.

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I
Ziegel
 
[althochdeutsch ziegal, von lateinisch tegula, zu tegere »(be)decken«], Baustoff, der aus Lehm, Ton oder tonigen Massen mit oder ohne Zusatzstoffe geformt und gebrannt wird. Das charakteristische Kennzeichen des Ziegels ist der keramische Brand bei hohen Temperaturen.
 
 
Der Rohstoff wird über Tage mit (Eimerketten- oder Schürfkübel-)Baggern abgebaut und im Ziegelwerk (Ziegelei) aufbereitet. Dazu gehört das Mischen und Vergleichmäßigen der Rohstoffkomponenten sowie das Zerkleinern und Anfeuchten, um das Material bildsam zu machen. Danach wird es (meist in Strangpressen) gepresst und am Mündstück (Matrize) zur endgültigen Form gestaltet (Rohling). Es folgt die Trocknung bei Temperaturen um 100 ºC. Die Trocknungsdauer ist abhängig von Form und Rohmaterial.
 
Der keramische Brand erfolgt im Tunnelofen (keramische Öfen), in den die Rohlinge auf Wagen von der Aufwärm- über die Brenn- zur Kühlzone gefahren werden. Die Brenndauer beträgt, abhängig von der Ziegelart, bis zu 48 Stunden bei Garbrandtemperaturen zwischen 900 ºC und 1 100 ºC. Beim Brennen werden die Rohstoffkomponenten miteinander verbacken (Backstein), und der Rohling wird zum festen Ziegel mit seinen endgültigen Eigenschaften.
 
Bei Brenntemperaturen oberhalb von 1 000 ºC verdichtet sich das Porensystem an der Oberfläche durch Sinterung zu glasartigen Strukturen. Dadurch entstehen Klinker mit besonders großer Dichte und geringer Wasseraufnahmefähigkeit. Nicht gesinterte Ziegel behalten ein kapillares Porensystem, das in der Wand für einen selbsttätigen, erwünschten Feuchteausgleich sorgt. Die Ziegelfarbe wird durch die Rohstoffzusammensetzung bestimmt. Ein größerer Anteil von Eisenoxid führt zu den typischen Rottönen. Der gesamte Herstellungsprozess verläuft im modernen Ziegelwerk weitgehend automatisch und wird elektronisch gesteuert. Zur Beheizung der Brennöfen wird v. a. Erdgas verwendet. Durch Wärmerückgewinnung und rationalisierte Betriebsabläufe können der Energieverbrauch und der Ausstoß an Kohlendioxid sehr niedrig gehalten werden. Gebrannte Ziegel sind frei von Umweltgiften und größtenteils wieder verwendbar.
 
 
Ziegel werden für viele Bauaufgaben und in zahlreichen Formen hergestellt. Mauerziegel ist der Oberbegriff für alle Ziegelarten, die vorwiegend für den Bau von Wänden bestimmt sind. Sie werden in unterschiedlichen Größen als Vollziegel (zulässiger Lochanteil bis zu 15 %), als Hochlochziegel (zulässiger Lochanteil 50 %) oder als Langlochziegel hergestellt. Ihre Druckfestigkeit liegt zwischen 4 N/mm2 und 60 N/mm2, ihre Rohdichte zwischen 500 kg/m3 (Langlochziegel) und 2 200 kg/m3 (Klinker). Hintermauerziegel werden für tragende und nicht tragende verputzte oder bekleidete Wände verwendet; Frostbeständigkeit ist daher nicht gefordert. Je nach Struktur können v. a. porosierte Hochlochziegel eine sehr hohe Wärmedämmung bei noch guter Druckfestigkeit haben. Vormauerziegel und -klinker werden für außen sichtbar bleibendes Sicht- oder Verblendmauerwerk in verschiedenen Farben und Strukturen hergestellt. Formziegel runden das Lieferprogramm ab. Frostbeständigkeit und hohe Widerstandsfähigkeit gegen chemische und mechanische Belastung sind gefordert. Ziegelschalen und Ziegelstürze werden passend zu Vor- und Hintermauerziegel angeboten. Langlochziegel und Tonhohlplatten (Hourdissteine) können für nicht tragende Bauteile gewählt werden. Deckenziegel werden für ebene und geneigte Decken wie auch für vorgefertigte Wände und Decken hergestellt. Zur Eindeckung von geneigten Dächern verwendet man Dachziegel. Pflasterklinker dienen der Herstellung von Gehwegen und Straßenpflaster. Sie sind besonders widerstandsfähig gegen Belastungen; ihre Druckfestigkeit liegt über 80 N/mm2. Weitere Ziegelarten: Mauertafelziegel für vorgefertigte Wände, Akustikziegel, Kanal- und Schornsteinklinker, Kamininnenrohre, Fußbodenklinkerplatten, Ziegel für Vorhangfassaden, Tondränrohre, Kabelabdeckhauben u. a. - Zur Geschichte Backsteinbau, Ziegelbau.
 
 
Hb. für die Z.-Industrie. Verfahren u. Betriebspraxis in der Grobkeramik, hg. v. W. Bender (1982);
 W. Bender: Lex. der Z. (21995).
II
Ziegel,
 
Erich, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter, * Schwerin 26. 8. 1876, ✝ München 30. 11. 1950; 1913-16 Leiter der Münchner Kammerspiele; 1918 gründete er die Hamburger Kammerspiele, die v. a. mit Inszenierungen expressionistischer Dramen Bedeutung erlangten. 1926-28 Leiter des Deutschen Schauspielhauses Hamburg.

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Zie|gel, der; -s, - [mhd. ziegel, ahd. ziegal < lat. tegula, zu: tegere = (be)decken]: a) [roter bis bräunlicher] ↑Baustein (1) aus gebranntem Ton, Lehm: Z. brennen; b) roter bis bräunlicher, flacher, mehr od. weniger stark gewellter Stein zum Dachdecken aus gebranntem Ton, Lehm; Dachziegel: ein Dach mit -n decken.

Universal-Lexikon. 2012.

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